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8. Forum Energie

Praxisbeispiele prägten den ersten Block der Veranstaltung. Dr. Stefan Plesser vom Institut für Gebäude- und Solartechnik der TU Braunschweig erläuterte die aktuelle Bedeutung des Inbetriebnahmemanagements und des Technischen Monitorings anhand von Beispielprojek-ten, Forschungsvorhaben und aktuellen Richtlinien. Nur ein qualitativ gut erstelltes und ein-geregeltes Gebäude wird auch energetisch gut funktionieren. Eine herausragende Rolle nimmt dabei die Gebäudeautomation ein. Henning Golüke, Klimaschutzmanager an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, zeigte, wie sich eine vergleichsweise kleine Hochschule in den letzten Jahren als eine der wichtigsten Akteure im Klimaschutz aus dem Hochschulbereich etabliert hat. Viele Gedanken haben sich die Verantwortlichen dort über den Umgang mit Ökostrom, Kompensationsmöglichkeiten und CO2-Bilanzen gemacht. Nicht immer ist das, was das Gewissen beruhigt auch tatsächlich zielführend. Die Aktivitäten der Universität Kassel zur Reduzierung der Energiekosten, zum CO2-optimierten Campus (Solarcampus), Intracting und Nachhaltigkeitsmanagement (Nachhaltigkeitsbericht) wurden von Herrn Georg Mösbauer, verantwortlich dort für Arbeits- und Umweltschutz vorgestellt. Das Thema Bauen wurde von Herrn Roland Distler aus dem Gebäudemanagement und Pro-fessor Dr. Lars Kühl von der Ostfalia Hochschule präsentiert. Am Standort Salzgitter ist dort vor drei Jahren ein innovatives und energetisch sehr gutes Hörsaalgebäude in Betrieb genommen worden, dass sich durch gute Zusammenarbeit aller an Planung und Bau Beteiligten unter Einhaltung der Kosten und Zeitvorgaben auszeichnet. Das Monitoring, das durch Pro-fessor Kühl begleitet wurde, hat die positiven Erwartungen bisher auch im Gebäudebetrieb bestätigt. Eine Energiekostenersparnis von mehr als 415.000€ brachte die Energiesparkam-pagne der Christian-Albrechts Universität zu Kiel – über die Nora Nording berichtete. Neben der Erkenntnis, dass die Nutzerbeteiligung eine kostengünstige Möglichkeit zur Energieein-sparung ist, wurde auch deutlich vermittelt, wie wichtig die Unterstützung der Leitungsebe-ne für ein solches Projekt ist. Dass sich eine Stelle für das Energiemanagement für viele Hochschulen lohnt, zeigte ein Interview mit Energiemanagern aus der Goethe Universität Frankfurt sowie der Technischen Universität Kaiserslautern. Für die beiden Energiemanager, Dirk Seitz und Roger Schneider, zeigt sich die Arbeit als sehr vielseitig, erfordert Kreativität aber auch Beharrlichkeit und ist mit vielen Herausforderungen verbunden.
Spezielle Forschungsaktivitäten mit Bezug zur Praxis bildeten einen weiteren Themenblock. Aktuelle Informationen zum Energiemustercampus UdS: Liegenschaftsweite Energieverbrauchsoptimierung (EULE), einem Forschungsprojekt an der Universität des Saarlandes, gab Herr Jan Hildenbrand von der Universität des Saarlandes aus der Sicht der am Projekt beteiligten Psychologen. Bei diesem interdisziplinären Forschungsprojekt sind außerdem neben dem Facility Management der Universität die Ingenieurwissenschaften (Mechatronik) und die Wirtschaftswissenschaften beteiligt. Frau Tanja Beier informierte über den aktuellen Stand des EnEff-Campus-Projekts an der TU Braunschweig, das nunmehr in die zweite Pro-jektphase eingetreten ist. Das Projekt zeichnet sich durch ein Höchstmaß an Interdisziplinari-tät aus, indem dort neben Architektur und Bauwesen, Psychologie, Elektrotechnik, Städtebau, Informatik sowie das Gebäudemanagement und weitere Praxispartner beteiligt sind. Ziel ist es, durch eine Reihe von Maßnahmen bis zum Jahr 2020 den Primärenergiebedarf um 40 % zu senken und in 2035 den klimaneutralen Campus zu erreichen. Maßnahmen zur Energieeinsparung sind in der Regel auch mit Kosten verbunden. Häufig unterbleiben entsprechende Investitionen auch bei nachgewiesener Wirtschaftlichkeit aus haushaltstechni-schen Gründen. Hier setzt das Intracting-Modell an, das von Prof. Dr. Jens Knissel und sei-nem Mitarbeiter Marius Ehlert von der Universität Kassel vorgestellt wurde und dort im Rahmen eines Forschungsprojekts untersucht wird. Nicht immer sind hohe Investitionen erforderlich, um Energieeinsparungen zu erreichen. Das Nutzerverhalten bietet weitere Potenziale, deren Anteil aus vergangenen Untersuchungen bis zu 18 % beim Strom und 9 % bei der Wärme betragen kann. Das bekannteste Projekt, das sich mit der Veränderung des Nut-zerverhaltens beschäftigt hat, ist CHANGE. Dr. Ingo Kastner von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg stellte das Nachfolgeprojekt Energieeffizienz- und CO2-Einsparung an Hochschulen (ECHO) vor, das unter Beteiligung der Hochschule Fresenius und HIS-Hochschulentwicklung Anfang des Jahres gestartet ist.
Den Schlusspunkt setzte Mark Franken, Leiter des Gebäudemanagements am Forschungs-zentrum Jülich. Das Forschungszentrum ist eine der größten Forschungseinrichtungen in Deutschland und bietet allein schon deshalb ein großes Potenzial für Maßnahmen zur Steige-rung der Energieeffizienz. Die Herausforderung besteht darin, die besonderen Anforderun-gen einer Spitzenforschungseinrichtung mit dem Anspruch Energieeffizienz in Einklang zu bringen. Dass dieses möglich ist, zeigen erfolgreiche Konzepte und Maßnahmen. Von den Teilnehmenden wurde die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch in der besonderen Atmosphäre des Forums intensiv genutzt. Workshops zu Themen wie Monitoring und Inbe-triebnahmemanagement, Grundlast, Motivation und Nutzerverhalten, Kraft-Wärme-Kopplung, Contracting und Intracting, Anreizsysteme und Budgetierung sowie das von Bera-terin Susanne Lörx moderierte Energy Café boten dazu einen geeigneten Rahmen.
In zwei Jahren gibt es das nächste, mittlerweile das 9. Forum Energie.

Downloads

fh-201112.pdf

Veranstaltungen

8. Forum Energie 2016