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Hochschulprüfungen für die “digitalen Einheimischen”

Dabei wurde eine Prüfungskultur für die digitale Hochschule erkennbar, die mit elektronischen und konventionellen Prüfungsformen nicht nur den Personalbedarf einer wachsenden Zahl studienbegleitender Prüfungen begrenzt. Zugleich eröffnet sie zeitgemäße Chancen zur Verbesserung von Studium und Lehre.

Auf Einladung des Unternehmensbereichs Hochschulentwicklung der HIS Hochschul-Informations-System GmbH diskutierten am 5. und 6. November 2008 Experten aus Hochschulen und spezialisierte IT-Dienstleister den Einsatz elektronischer Prüfungen an deutschen Hochschulen. Basis bildeten Erfahrungsberichte aus den Universitäten Bremen, Duisburg-Essen, Frankfurt/Main, Heidelberg, Mainz, Münster, Zürich, der Freien Universität Berlin sowie der Medizinischen Hochschule Hannover, die mit unterschiedlichen Technologien Prüfungen mit zum Teil mehreren Hundert Studierenden rechnergestützt durchführen und bewerten.

Die möglichen Fragen reichen von Multiple-Choice- und Long-Menu-Formaten über offene Aufgaben bis hin zu Diagnoseübungen an virtuellen Patienten. Neben der Automatisierung schriftlicher Prüfungen werden auch neue didaktische Konzepte zum integrierten Lernen, Üben und Prüfen möglich. Allerdings müssen bei elektronischen Prüfungen die etablierten Vorgehensweisen zur Authentifizierung der Teilnehmer, zur Gewährleistung der Chancengleichheit und zum Verhindern von Störungen dem neuen Medium angepasst werden. Dabei sind an die Rechtssicherheit elektronischer Prüfungen ähnliche Anforderungen zu stellen wie an das Electronic Banking.

Technologische Basis elektronischer Prüfungen bilden Softwaresysteme zur Durchführung und Bewertung der Prüfungen sowie Datenbanken zum Erstellen und Verwalten der Fragekataloge. Das Spektrum der Systemlösungen reicht dabei von Eigenentwicklungen der Hochschulen mit Open Source-Technologien über Assessmentfunktionen von E-Learning-Plattformen bis zu spezialisierten Prüfungssystemen kommerzieller Anbieter. Als technische Infrastruktur erfordern elektronische Prüfungen abgeschirmte Leitungs- oder Funknetze zwischen den Rechnerarbeitsplätzen für die Studierenden und einem zentralen Server. Um für große Prüfungskohorten eine ausreichende Anzahl von Rechnerarbeitsplätzen zur Verfügung stellen zu können, müssen viele Hochschulen ihre über den Campus verteilten Poolräume nutzen. Demgegenüber verfügt die Universität Bremen über ein elektronischen Prüfungen vorbehaltenes Testcenter. Technisch möglich ist auch der Einsatz mobiler Rechner und Server, sofern ausreichend große Räume zur Verfügung stehen.

Elektronische Prüfungen reduzieren zwar den Korrekturaufwand der Prüfer. Organisation und Durchführung erfordern jedoch genauso wie konventionelle Klausuren Aufsichts- und Verwaltungspersonal. Darüber hinaus müssen die IT-Systeme administriert und die Prüfer in ihrer Anwendung geschult werden, was Experten im hochschuleigenen Medien- bzw. Rechenzentrum oder einen externen Dienstleister erfordert. Die Erfahrungen der verschiedenen Hochschulen zeigen jedoch, dass bei einer Mindestzahl elektronischer Prüfungen der Gesamtaufwand nicht nur geringer ausfällt als bei konventionellen Klausuren, sondern auch bei systematischer Erstellung und Evaluation der Fragen wertvolle Ansätze zur Qualitätsverbesserung und Sicherung vorhanden sind.