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EnEV 2014 verabschiedet!

Die Bundesregierung hat die Novelle zur Energieeinsparverordnung (EnEV) am 16. Oktober 2013 mit den vom Bundesrat vorgesehenen Änderungen beschlossen.

Hintergrund: Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. Die Novelle soll hierzu einen bedeutsamen Beitrag leisten. Die Bundesregierung hat bereits am 6. Februar 2013 die vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie vorgelegten Entwürfe zur Änderung des Energieeinsparungsgesetzes (EnEG) und zur Änderung der Energieeinsparverordnung (EnEV) beschlossen. Die Umsetzung berücksichtigt die neue EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (2010/31/EU) und außerdem weitere Kabinettbeschlüsse zum Energiekonzept und zur Energiewende. Mit dem Entwurf des EnEG wurden die gesetzlichen Ermächtigungsgrundlagen für die in der EnEV-Novelle vorgesehenen Änderungen geschaffen.

Inhalt: Kernelement der Novelle ist eine Anhebung der Effizienzanforderungen für Neubauten. Bestandsgebäude sind von diesen Verschärfungen ausgenommen. Zudem wird die Bedeutung des Energieausweises als Informationsinstrument gestärkt:

  1. Vorgaben für das Bauen
    • Angemessene und wirtschaftlich vertretbare Anhebungen der energetischen Anforderungen an Neubauten ab dem 1. Januar 2016 um durchschnittlich 25 % des zulässigen Jahres-Primärenergiebedarfs und um durchschnittlich 20 % bei der Wärmedämmung der Gebäudehülle (zulässiger Wärmedurchgangskoeffizient)
    • Ab dem Jahr 2021 müssen nach europäischen Vorgaben alle Neubauten im Niedrigstenergiebaustandard (gemäß EU-Richtlinie) errichtet werden. Für Neubauten von Behördengebäuden gilt dies bereits ab dem Jahr 2019 (Grundpflicht laut EnEG)
    • Die konkreten Vorgaben an die energetische Mindestqualität von Niedrigstenergiegebäuden werden rechtzeitig bis spätestens Ende 2016 (für Behördenbauten) bzw. Ende 2018 (für alle Neubauten) festgelegt
    • Keine Verschärfung gibt es bei Sanierungen im Gebäudebestand
    • Auf Wunsch des Bundesrates wurde die Pflicht zum Austausch alter Heizkessel erweitert. Betroffen sind Konstanttemperaturheizkessel, die vor 1985 eingebaut wurden. Ausnahmen gibt es für selbstgenutzte Ein- und Zweifamilienhäuser
  2. Vorgaben für Energieausweise
    • Einführung der Pflicht zur Angabe energetischer Kennwerte in Immobilienanzeigen bei Verkauf und Vermietung. Auf Wunsch des Bundesrates geschieht dies bei neuen Ausweisen mit Angabe der Energieeffizienzklasse (Klassen A+ bis H)
    • Präzisierung der bestehenden Pflicht zur Vorlage des Energieausweises gegenüber potenziellen Käufern und Mietern (Ausweise müssen zum Zeitpunkt der Besichtigung des Kauf- oder Mietobjektes vorliegen). Darüber hinaus muss der Energieausweis (als Original oder in Kopie) dem Käufer oder neuen Mieter ausgehändigt werden
    • Einführung der Pflicht zum Aushang von Energieausweisen in bestimmten Gebäuden mit starkem Publikumsverkehr, der nicht auf einer behördlichen Nutzung beruht (z. B. größere Läden, Hotels, Kaufhäuser, Restaurants oder Banken), wenn bereits ein Energieausweis vorliegt
    • Erweiterung der bestehenden Pflicht der öffentlichen Hand zum Aushang von Energieausweisen in behördlich genutzten Gebäuden mit starkem Publikumsverkehr auf kleinere Gebäude (mit mehr als 500 m² bzw. ab Juli 2015 mit mehr als 250 m² Nutzfläche
  3. Stärkung des Vollzugs der EnEV
    • Einführung unabhängiger Stichprobenkontrollen durch die Länder für Energieausweise und Berichte über die Inspektion von Klimaanlagen (gemäß EU-Vorgabe)

Relevanz für Hochschulen: Bezüglich der Verschärfungen des zulässigen Primärenergiebedarfs und der Wärmedämmung der Gebäudehülle dürften die Hochschulen nur in geringem Maße im Rahmen von Neubauten betroffen sein (ab 2016 Reduzierung des Primärenergiebedarfs um 25 %, ab 2021 Niedrigstenergiegebäudestandard). Sanierungsmaßnahmen, die derzeit an vielen Hochschulen durchgeführt oder vorbereitet werden, sind von den aktuell festgelegten Verschärfungen ausgeschlossen. Hier sind die Anforderungen nach EnEV 2009 weiterhin gültig. Natürlich wäre das Energieeinsparpotenzial im Bestand insgesamt sehr viel größer, als bei Neubauten. Die Kosten für entsprechende Maßnahmen wären aber angesichts des bestehenden Sanierungsstaus bei den Hochschulen ein Problem. Der Austausch von Konstanttemperatur-Heizkesseln (betroffen sind Anlagen zwischen 4 und 400 kW) dürfte in einigen Fällen zu einem überschaubaren Investitionsbedarf an einzelnen Hochschulen führen. Zu beachten sind auch die Vorgaben zum Energieausweis im Hinblick auf Verkauf und Vermietung. Hier dürften für die Hochschulen allerdings weniger kostenrelevante Änderungen auftreten, da sie eher als Mieter auftreten. Die Erstellung von Energieausweisen dürfte mittlerweile zudem eingespielt sein. Die Erweiterung der Aushangpflicht für Energieausweise auf kleinere behördlich genutzte Gebäude dürfte die Hochschulen zunächst weniger betreffen. Die Einführung von Stichprobenkontrollen für Energieausweise und Berichte über die Inspektion von Klimaanlagen könnte indes noch für Aufregung sorgen. Bisher ist eher nicht der Eindruck entstanden das hier alle Hausaufgaben erledigt worden sind, insbesondere soweit die energetischen Inspektionen betroffen sind.

Diskussion: Wie werden die Änderungen durch die betroffenen Hochschulen eingeschätzt? Haben Sie Fragen, Ergänzungen oder Erfahrungen und Tipps zur EnEV? Schreiben Sie uns! Oder nutzen Sie unser Diskussionsforum!